LMP1 eine fragile Angelegenheit ?

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Warum schreibe ich diesen Artikel überhaupt ?

Nachdem ich gestern gelesen habe, dass sich das Team ByKOLLES  gerüchteweise nach dem 6H Rennen am Nürburgring  vorzeitig aus der aktuellen Meisterschaft verabschieden könnte um sich der Weiterentwicklung des CLM-Nismo P1/01 für 2018 zu widmen, wurde ich doch nachdenklich wohin künftig die Reise in der LMP1 Klasse der WEC gehen könnte. Was vor einem Jahr vermutlich mit einer kurzen Pressemeldung erledigt gewesen wäre, entwickelt sich nach dem kompletten Ausstieg von Audi  aus der WEC und dem Ausstieg von Rebellion aus der LMP 1 Ende 2016, immer mehr zur Frage wie es wohl insgesamt mit der Königsklasse der WEC weitergehen kann, ohne in einem reinen Zweikampf zwischen Porsche und Toyota zu enden.  Sicher hatten die LMP1 Fahrzeuge von Rebellion und MyKolles nie eine echte Chance auf einen Gesamtsieg gegen die Werksteams, aber sie haben auf jeden Fall das Starterfeld der LMP1 bereichert.

Von außen betrachtet geht es in der LMP1 Klasse so ein bisschen wie bei den 10 kleinen Negerlein, in gleichnamigem Lied. Während das Starterfeld der WEC bei den LMP2 Fahrzeugen und den GT Fahrzeugen erfreulicherweise  stetig wächst, gibt es in der LMP1 immer mal wieder Absichtserklärungen, z.B. von Peugeot, BMW oder Mazda, auch geistert immer mal wieder das Bild eines McLaren LMP1 Fahrzeuges durch die sozialen Medien, aber so richtig konkret ist auch für die Saison 2018 davon nichts. Das liegt sicher nicht zuletzt an den extrem hohen Kosten für ein Engagement in der Königsklasse der WEC. Denn wer hier den ernsthaften  Kampf mit Porsche und Toyota aufnehmen will, muss dafür hohe dreistellige Millionenbeträge in die Hand nehmen. Man spricht hier von 200 Millionen pro Jahr als Minimum.  Dies ist in einer Zeit, in der die komplette Automobilindustrie vor einem Technologiewandel in Richtung Elektromobilität, mit vielen ungelösten Herausforderungen steht, sicher in vielen Vorstandsetagen eine Summe dar über deren Bereitstellung nicht einfach zu entscheiden sein wird.

Aus meiner Sicht muss die FIA und der AOC im künftigen Regelwerk für die LMP1 einen Spagat überlegen, der es zum einen neuen Kandidaten ermöglicht mit überschaubarem Budget in der LMP1 Klasse einzusteigen, ohne dabei den etablierten Teams die Möglichkeit zu nehmen ihre mit neuster Hightech ausgestatteten Rennfahrzeuge präsentieren zu können. Sicher keine leichte Aufgabe dies zu schaffen, ohne dabei  die Alleinstellungsmerkmale der Szene zu vernichten oder zu sehr zu verwässern. Eines scheint dabei aber heute schon klar zu sein, die Stellschrauben für eine merkliche Kostenreduzierung in der LMP1 sind begrenzt und ein Budgetrahmen im zweistelligen Millionenbereich ist vermutlich nicht machbar, wenn man mit den Platzhirschen Toyota und Porsche auf Augenhöhe kämpfen will.