Welchen Weg geht die LMP1 Klasse ?

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Foto: 2017, Frank Ullrich
Die 85. Auflage, des 24h Rennens von Le Mans am vergangene Wochenende ist vorbei und war sicher ein Rennen, dass in die Geschichtsbücher von Le Mans eingehen wird. Auf der einen Seite war es in vielen Teilen ein unglaublich spannendes Rennen, ich beziehe mich da hauptsächlich auf die Fahrzeuge der LMP2 Klasse, aber vor allem auf die Fahrzeuge der GTE Pro, die über die gesamten 24h Motorsport aus dem Bilderbuch gezeigt haben. Auf der anderen Seite war da aber die LMP1 mit Ihren Hightech Hybrid Rennfahrzeugen, die spannende begonnen hat, aber dann doch relativ schnell, durch technische Defekte und Ausfälle geprägt war. Am Ende waren aus dieser Klasse gerade mal noch zwei Autos im Feld des Geschehens, die aber auch in keinem echten Wettbewerb Gegeneinander gefahren sind. Am Ende konnte Porsche nach einer sicher beeindruckenden Aufholjagd gegen die Uhr das Rennen gewinnen, aber ernsthafte Gegner im Feld hatte das Auto nicht keine mehr. Und dies zeigt aus meiner Sicht auch die Problematik dieser Klasse. 
Hauptproblem zu wenig Fahrzeuge in der LMP1…

nach dem Ausstieg von Audi aus der WEC, verbleiben in dieser Klasse bei Rennen der WEC gerade noch 4 Fahrzeuge. 2 x Porsche 919, 2 x Toyota TS050. Der ebenfalls in der LMP1 fahrende ByKolles fährt gerade noch 2 Sekunden schneller wie die LMP2 und damit eigentlich in einer ganz anderen Liga, wie die vier Werksfahrzeuge. Vermutlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es ByKolles dem Rebellion Team gleichtut und von der LMP1 in die LMP2 wechselt. Denn unter normalen Umständen hat das ByKolles Auto eigentlich keine reale Chance auf einen Podiumsplatz in der WEC. Gerüchten zu Folge plant das Team sogar 2017 einen vorzeitigen Ausstieg aus der WEC nach dem Rennen am Nürburgring.

Eventuell sehen wir in 2018 ByKolles mit einem neuen Auto, eventuell gesellt sich da SMP Racing mit einem LMP1 Auto auf Dallara Basis dazu, Absichtserklärungen in der LMP1 aktiv zu werden gibt es einige, die aber bisher wenig konkret sind. Zudem dürfte eines sicher sein, ein SMP, ein neuer ByKolles LMP1 oder weitere „private“ Engagements in der Klasse dürften sich vermutlich immer auf einem Level zwischen den Werks LMP1 und der LMP2 bewegen. Also eher ein LMP1(b) oder ein LMP2(a) sein… In echte Konkurrenz werden sie Fahrzeuge trotz gleicher Klasseneinteilung vermutlich nicht kommen, zumindest dann nicht, wenn die Technik der Hybridfahrzeuge über die Distanz hält.      

Foto: 2017, Frank Ullrich
Zweites Problem Kosten…

Die Budgets mit denen die Werksteams in der LMP1 Klasse ausgestattet sind, sind astronomisch hoch, nicht zuletzt war dies auch der Hauptgrund für den Ausstieg von Audi aus der WEC. In der wirtschaftlich angespannten Lage, in der sich der Mutterkonzern von Audi und Porsche derzeit befindet, wollte oder konnte man sich keine zwei Teams mehr leisten in der Königsklasse des Langstreckensports.

In Le Mans haben in diesem Jahr auch schon Gerüchte über einen möglichen Ausstieg von Porsche Ende 2017 aus der WEC ihre Runde gemacht. Sicher erst mal Gerüchte, aber wo Rauch ist, da gibt es auch immer irgendwo ein Feuer. Und wie schnell solche Entscheidungen in den Vorstandsetagen der Automobilhersteller fallen können, hat uns der Ausstieg von Audi mehr als deutlich gezeigt. Bei Jahresbudgets von 300 Millionen Euro und mehr fällt es den Konzernen oft nicht schwer die Reisleine zu ziehen. Noch dazu wenn der eigentliche Wettbewerb, mit dem die Hersteller die Stärken ihrer Entwicklungen zeigen wollen eigentlich nicht mehr gegeben ist.  Denn wie in Le Mans dieses Jahr gesehen, war dieser Wettbewerb mit dem Gegner auf Augenhöhe nicht mehr vorhanden. Die Aufholjagd des Porsche durch das übrige Feld war zwar fahrerisch eine Glanzleistung, aber letzten Endes gab es außer der Uhr keinen echten Gegner, der das hätte aufhalten können. Porsche hat den Hattrick in diesem Jahr geschafft, gibt es da überhaupt noch eine sportliche Herausforderung? Toyota hat zwar angekündigt sich im kommenden Jahr erneut der Challenge an der Sarthe und in der WEC zu stellen, aber wenn Porsche tatsächlich aussteigt, dann wird das kein Wettbewerb sein. Dann kann sich Toyota nur noch selbst besiegen.   

 

 Drittes Problem Komplexität der Technik…
Foto: 2016, Frank Ullrich

Spätestens nach Le Mans 2017 müssen sich Hersteller und Veranstalter auch die Frage stellen, ob die Technik der LMP1 Hybrid Fahrzeuge zu komplex und damit zu anfällig ist. Schließlich ist keines der Hybrid Fahrzeuge ohne Probleme über die Distanz gekommen. Kupplungen die verglühen, wenn mit dem Verbrennungsmotor angefahren wird, Sterbende Elektroeinheiten an den Fahrzeugen und die Tatsache, dass jedes Fahrzeug vermutlich ein Vielfaches an Computersystemen und Automatismen besitzt, wie ein durchschnittliches Kampfflugzeug und auch in etwa so kompliziert in der Handhabung ist, lässt vermuten, dass sowohl die Veranstalter am Reglement, wie auch die Werke bei der Technik gut daran tun würden etwas mehr Augenmaß zu wahren. Denn eine Vereinfachung von Reglement und Technik würde sicher auch anderen Herstellern einen Einstieg in die Sportwagenweltmeisterschaft vereinfachen und diese Klasse wieder spannender machen.

Selbst Akio Toyoda geht unterschwellig in seinem Schreiben, dass er nach dem Rennen an seine Mitarbeiter, ins besondere an seine Fahrer gerichtet hat auf dieses Thema ein. Er schreibt in einem der letzten Sätze: „Während die Hybrid-Technologie im Wettbewerb der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft ihre Fähigkeiten in den 6-Stunden-Rennen unter Beweis stellt, scheint es, dass sie noch nicht für die 24 Stunden von Le Mans bereit ist.“. Deutlicher wird noch Oreca Chef Hughes de Chaunac, dessen Oreca-Organisation den Einsatz der Toyotas in Kooperation mit der Toyota Motorsport GmbH vornimmt. Er sagte im Interview mit ‚Sportscar365‘: „Ich denke, dass diese Autos zu kompliziert sind. Es ist wichtig, dass wir diese Technologie auf einen weniger komplexen Stand reduzieren.“ Das am Freitag im Rahmen des Rennens von AOC und FIA vorgestellte Reglement für die LMP1 Hybrid Klasse 2020, schreibt zwar die Hybrid Leistung bis 2023 bei acht Megajoule fest, der Rest des neuen Reglements dürfte allerdings nicht unbedingt auf die Vereinfachung der Technik einzahlen.

Für 2018 bleibt zu hoffen, dass Porsche auch im kommenden Jahr wieder in Le Mans dabei sein wird. Denn nur dann wird es in der LMP1 Klasse einen echten Wettbewerb geben. Denn ein Einstieg von Peugeot oder einem anderen Werksteam dürfte für 2018 ausgeschlossen sein.

 

Verfolgen Frank Ullrich:

Frank Ullrich ist seit seiner Kindheit begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Was liegt da näher, wie die beiden Hobbys miteinader zu verbinden. Sein erstes Rennen was er besucht hat war das 1000km Rennen 1971 am Nürburgring, dem dann unzählige Besuche bei vielen Rennen seitdem folgten. Anfangs ohne Kamera, ab Mitte der 90er Jahre dann mit Kamera. So richtig ersthaft wurde das Thema Motorsportfotografie dann erst mit der ersten digitalen Spiegelrflexkamera ab 2006. Seitdem wurden weit mehr als 100.000 Aufnahmen bei den verschiedensten Motorsportveranstaltungen aufgenommen, von denen sich viele in seinem großen Archiv befinden. Für Frank ist das Fotografieren ein guter Ausgleich zu seinem Beruf in der IT. neben dem Fotografieren interessiert sich Frank für alles was mit Fahrzeugen, Technik und Benzin zu tun hat.